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Rund um Bahrenhof

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Bad Segeberg Breitband: Millionen auf der Kippe

28 Gemeinden mit rund 5000 Hausanschlüssen surfen bereits ultraschnell. Das letzte Cluster, das der WZV erschließen will, steht nun auf der Kippe, und damit 4,1 Millionen Bundesfördermittel. Grund sind drei große Probleme für die zwölf Gemeinden des Amtes Trave-Land. Halten sie zusammen?
8,4 Millionen Euro kostet der Ausbau im Cluster 9 nach der jetzigen Planung. Davon werden 4,1 Millionen vom Bund gefördert. Die Kosten werden sehr wahrscheinlich steigen, die Förderung hingegen nicht.

Bad Segeberg. Knackpunkt eins: „Die Telekom hat eine veränderte Versorgungslage dokumentiert“, offenbarte Jens Kretschmer, Geschäftsführer des Wege-Zweckverbandes (WZV) den betroffenen Bürgermeistern am Dienstagabend. Demnach sollen inzwischen in Bahrenhof 50 Haushalte (82 Prozent), in Blunk 114 Haushalte (45 Prozent) und in Bühnsdorf 34 Haushalte (22 Prozent) die Möglichkeit für schnelles Surfen haben. Sollte das tatsächlich so sein, würden dem WZV rund 200 Haushalte fehlen, die für eine Finanzierung entscheidend sind. „Die Telekom behauptet, dass diese Leistung anliegt, ob das stimmt oder nicht“, sagte Breitband-Projektleiterin Meike Kretschmer. „Sie ist so lange im Recht, bis wir das Gegenteil beweisen.“ Für die Gemeinden heißt das jetzt: In jedem einzelnen dieser Haushalte muss gemessen werden, ob Datenraten von 50 Mbit/s möglich sind. Sonst ist die Förderung in der Höhe futsch.

28 Gemeinden mit rund 5000 Hausanschlüssen surfen bereits ultraschnell. Das letzte Cluster, das der WZV erschließen will, steht nun auf der Kippe, und damit 4,1 Millionen Bundesfördermittel. Grund sind drei große Probleme für die zwölf Gemeinden des Amtes Trave-Land. Halten sie zusammen?
Knackpunkt zwei: Die Kosten für Bauleistungen steigen erheblich. „Es wird viel gebaut, vom Cluster sieben zu acht sind die Kosten bereits um 30 Prozent gestiegen“, erklärte Meike Kretschmer. Ein Ende ist nicht in Sicht. „Die Baufirmen kündigen bereits an, dass die Preise im Sommer nochmals um 30 Prozent steigen werden.“ Zwar hatte der WZV bei den Planungen einen Puffer einkalkuliert, der ist jedoch fast aufgebraucht. Auch wenn die Kosten steigen, die Fördersumme bleibt gleich – und die Gemeinden werden stärker belastet.
Die Gemeinden Bahrenhof, Blunk, Bühnsdorf, Glasau, Krems II, Nehms, Pronstorf, Rohlstorf, Schieren, Seedorf und Travenhorst stehen vor der Qual der Wahl: Springt nur ein Ort ab, ist das Programm gescheitert. Geht es weiter – vielleicht nur mit 1300 statt der 1500 Haushalte beziehungsweise mit weniger Fördermitteln – werden sehr wahrscheinlich nicht alle Gemeinden ohne weitere Schulden bleiben.
„Entweder machen alle mit oder keiner“, brachte es nicht nur Hans-Heinrich Jaacks, Bürgermeister von Krems II, auf den Punkt. „Es ist eine bittere Situation, aber es ist auch eine Investition in viele Haushalte.“ Travenhorsts Bürgermeisterin Heike Gärtner wurde noch deutlicher: „Es ist ein Schlag in die Magengrube, dass die Telekom so hereingrätscht.“ Bahrenhofs Bürgermeister Hans-Peter Ulverich: „Den Kampf um jedes Haus hat es schon mal gegeben. Es ist die einzige Möglichkeit. Entweder man kämpft oder man sagt, alles ist verloren.“ Und Seedorfs Bürgermeister Gerd Lentföhr plädierte: „Da hängen wir alle dran, nicht nur die drei Gemeinden. Entweder wir sind eine Solidargemeinschaft und prüfen eine Umlegung auf das Cluster. Oder ein bis zwei Gemeinden gehen raus, dann gehen wir alle raus.“

Die Debatte ist zu diesem Zeitpunkt deshalb so wichtig, weil der WZV nun im Zuge der europaweiten Ausschreibung für einen Betreiber die Bieter auffordern will, ein verbindliches Angebot abzugeben.
Das könnte erste rechtliche und finanzielle Konsequenzen haben, sollte das ganze Projekt am Ende scheitern. „Ich hätte mich gefreut, wenn ich drei gute Nachrichten hätte überbringen können“, sagte Jens Kretschmer am Ende der Versammlung. Die Gemeinden sollen sich in den kommenden Wochen schriftlich positionieren.

Verläuft der letzte Breitbandausbau in Segeberg im ländlichen Raum nach Plan, könnte im Spätsommer Baubeginn sein, Ende 2018 wären damit auch die letzten Randgebiete Segebergs erschlossen. Konkret betroffen sind 1150 Haushalte, 230 Unternehmen sowie 180 geplante Haushalte in Baugebieten.
Von Irene Burow
aus: LN-Online 1.2.2018




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