Dorf er-leben - Bahrenhof-city

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Dorf er-leben

Bericht über die Besichtigung und Aufnahme von Schäden im Bahrenhöfer Wohld am 10.11.2018

Am Samstag, den 10. November trafen wir uns Bahrenhöfer Wohld. Wir, das waren elf Personen aus Reinfeld aus der Gruppe „vivawald“, zwei Leute aus dem Lohsack und Gerd und Helga aus Bahrenhof. Mit dem Wetter hatten wir nicht viel Glück, aber es gibt ja Gummistiefel. Es war geplant zu dokumentieren, was die Einschläge aus dem September hinterlassen hatten. Katrin von vivawald machte Fotos.

Erstaunlicherweise hatte der Harvester sehr tiefe Spuren hinterlassen und wie immer bei seiner Arbeit auch mehrere intakte Bäume zerstört. Die tiefen Spurrinnen erstaunten deshalb, weil die Landesforsten ja gerade den sehr frühen Termin damit begründet hatten, dass dann der Boden erfahrungsgemäß noch trocken ist und die Wege nicht beschädigt werden.
Die Rückegassen hatten nicht den vorgeschriebenen Zwischenraum von 40 Metern. Teilweise laufen sie sternförmig auseinander. Jedes Mal bietet sich ein Bild der Zerstörung und das nun jedes Jahr. Hoffen wir, dass die neuen Holzstapel dieses Mal wirklich alle abgeholt werden.

Anschließend ging es zum Kaffeetrinken zu Gerd und Helga. Wir diskutierten natürlich: Was können wir tun? Immer wieder Briefe an die Landesforsten? Immer wieder frustierende Briefe von den Landesforsten? Tatsache ist, der Wald ist in den Rang eines Industriebetriebes gestellt worden und muss Gewinn einfahren. Da müssen wir schon die eine oder andere Kröte schlucken. So sagen es die Landesforsten aber nicht, sondern sie argumentieren mit besonders nachhaltiger Waldwirtschaft. Das macht auf Dauer keinen Spaß. Besonders seit wir wissen, dass es auch anders
geht. In Lübeck zum Beispiel, wo wir informative Waldführungen erhielten und ein schonenderes Konzept kennenlernten. In Bahrenhof und Reinfeld dagegen wird der Wald immer mehr ausgelichtet. Die alten Baumriesen verschwinden allmählich, weil sie auf der Profitskala weit oben stehen.

Ich denke, abgesehen von der weiteren Diskussion mit den Landesforsten, sollten wir ausgehend von der Tatsache, dass der Wald auch Bürgerwald ist, uns selbst ermächtigen. Wir diskutierten die Idee einer ideellen Baumpatenschaft: Welche Bäume möchten wir erhalten wissen, welcher Baum ist geeignet den künftig schwierigeren klimatischen Bedingungen standzuhalten oder einfach, welchen Baum finden wir schön? Der nächste Waldspaziergang, wahrscheinlich im Frühling, lässt uns dann sicher schon mit dem Blick „unser Wald soll leben“ hoffnungsfroh das Waldjahr
beginnen.

Mit lieben Grüßen, Helga Lenze
Bericht vom 22.3.20015
Waldspaziergang mit Förster

Glücklicherweise hatte Petrus diesmal ein Herz. Die Sonne schien, aber es war eiskalt. Wieder zuhause half nur Tee mit Rum, aber fangen wir von vorn an. Zwischen zwanzig und dreißig Interessierte hatten sich am Treffpunkt versammelt, zahlreiche Mitglieder von "Viva Wald" und auch zahlreiche Bahrenhöfer. Sabine Reichel vom NABU führte uns mit fachkundigen Informationen durch die in diesem Jahr stark bewirtschafteten Waldbereiche.
Die sogenannten Rückegassen wirkten wie Waldautobahnen. Sie sind so stark verdichtet, dass in den kommenden Jahrzehnten dort ausser Gras wenig wachsen wird. Alte Bäume fanden wir in diesen Bereichen nicht mehr. Riesige Bäume lagen immer noch an den Wegen. Ob sie an Selbstwerber verkauft werden oder noch in den Export gehen, ist unklar. Wir fanden noch Stapel aus viel äteren Einschlägen, die dort verrotteten. Dann hätte man sie allerdings auch stehenlassen können.

Die in diesem Jahr und auch in den vergangenen Jahren bewirtschafteten Bereiche waren stark ausgelichtet. Viel Sonnenlicht fiel herein. Unter diesen Bedingungen kann sich die Brombeere gut entwickeln. Aus NABU-Sicht ist das aber nicht schlimm, weil das Wild die Brombeerflächen meidet. Dadurch gibt es nicht soviel Verbiss an den jungen Bäumen. Wir werden jedoch lange darauf warten müssen bis sich auf diesen Flächen wieder ein schöner Hochwald entwickelt hat. Wir wurden auf das Eschensterben aufmerksam gemacht, das im Bahrenhöfer Wohld schon ein erschreckendes Ausmaß angenommen hat.

Abschlieߟend wurde festgehalten, dass wir mit einem erweiterten Blick auf den Wald sehen werden, achtsamer sein und darauf bestehen wollen, dass der Wald nicht nur ein Wirtschaftsfaktor ist. Der Gang war auch ein Lehrstück in Globalisierung: Polnische Arbeiter, die unseren Wald nicht kennen, die dem Diktat der Wirtschaftlichkeit unterstehen, Bäume, die nach China geliefert werden - und wie festgestellt wurde, eventuell als Furnierholz oder Streichholz wieder zurückkommen.

Immer wieder wurde der Lübecker Stadtforst erwähnt, in dem man ein nachhaltigeres Konzept der Waldbewirtschaftung anwendet. Es besteht Interesse, sich diesen Wald anzusehen. Der Förster dort bietet Führungen an.

Wer daran interessiert ist, melde sich bitte bei mir. Ich werde mich dann um einen Termin bemühen.

Mit freundlichen Grüßen,
Helga Lenze, Bahrenhof
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